Mär 3

It was me on that road
Still you couldn`t see me
And then flashlights and explosions

Roads ends getting nearer
We cover distance but not together
I am the storm and I am the wonder
And the flashlights, nigthmares
And sudden explosions

I don’t know what more to ask for
I was given just one wish

~ Röyksopp - What Else Is There

Jan 7

Ich will nicht bei dir klingeln, und ich tu es doch
Ich will nicht an dich denkn’, und ich tu es immer noch
Ich will nicht von dir reden, vom singen ganz zu schweigen
Schäm dich was, dass du dich immer noch in meine Lieder schleichst
Ich hab versucht mir, mir einzureden, dass du ja eigentlich gar nicht so schön bist
Dass du bescheuert bist und nichts verstehst, dass wir nicht füreinander bestimmt sind

Mit jedem deiner Fehler, mit jedem deiner Fehler,
Mit jedem deiner Fehler lieb’ ich dich mehr.

Du bist so herrlich überheblich, so wunderbar arrogant
Ganz schön eingebildet, dafür ernenn’ ich dich zur Königin von meinem Land

(..)

~ Philipp Poisel - Mit jedem deiner Fehler

Dez 9

Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein und wieder einmal war es Zeugnistag. Nur diesmal, dacht’ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein, als meines weiß und hässlich vor mir lag. Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt. Ich war ein fauler Hund und obendrein höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt, so ein totaler Versager zu sein; so ein totaler Versager zu sein. So, jetzt ist es passiert, dacht’ ich mir, jetzt ist alles aus: nicht einmal eine 4 in Religion. Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus, sondern allenfalls zur Fremdenlegion. Ich zeigt’ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie, schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n. Ich war vielleicht ‘ne Niete in Deutsch und Biologie; dafür konnt’ ich schon immer ganz gut mal’n. Dafür konnt’ ich schon immer ganz gut mal’n. Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus. Die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt. Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus. So stand ich da, allein, stumm und geknickt. Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück, voll Selbstgerechtigkeit genoß er schon die Maulschellen für den Betrüger, das mißrat’ne Stück, diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn; diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn. Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft, so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran: dies ist tatsächlich meine Unterschrift.” Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug. Gekritzelt zwar, doch müsse man verstehn, dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug. Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns gehn.”; „Komm, Junge, lass uns gehn.” Ich hab noch manches lange Jahr auf Schulbänken verlor’n und lernte widerspruchslos vor mich hin Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn. Dass ich dabei nicht ganz verblödet bin ! Nur eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt,die eine nur aus dem Haufen Ballast: Wie gut es tut zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast. Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast. Ich weiß nicht, ob es richtig war, dass meine Eltern mich da rausholten und - wo bleibt die Moral? Die Schlauen diskutier’n, die Besserwisser streiten sich. Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal. Ich weiß nur eins; ich wünsche allen Kindern auf der Welt, und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind, wenn’s brenzlig wird, wenn’s schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt: Eltern, die aus diesem Holze sind. Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind.

Reinhard Mey - Zeugnistag

Nov 24

Knackende Schritte im Schnee, alleiniger Zweiertakt; prägende Songs am Morgen, in Begleitung den ganzen langen Tag, frühe Dunkelheit, kurzer Tag. Was war das nun? Kälte beim Einatmen, immer wieder aufs Neue: Blicke. Erwidernd; lasst mich in Ruhe. Melodien und Takte. Eingängig, nicht fad, sehr tief. Maulfaulheit. Sätze ohne Struktur, taktlos. Der Faden als Anhaltspunkt, in rot als Signal. Es fehlt, ist eine Ellipse, lücken- und mangelhaft.

Okt 6

Wenn ichs nicht mach, werd ich mürrisch und unerträglich für jedermann. Es ist nun mal ein natürlicher Trieb. Ich liebe Schlafen abgöttisch, wisst ihr. Ich träume viel, intensiv und lang. Schlaf ist nicht nur ungemein gesund und erfrischend; seine Begleiterscheinungen, genannt Träume, geben mit Verdichtungen und Symbolen wieder, was längst verarbeitet schien. Was mir meine Träume zeigen, macht mir nicht erst seit neuestem zu schaffen. Ich kann es nicht vergessen und das ist ein Riesenproblem! Je öfter ich von einem vorübergehenden Wehwehchen spreche, desto mehr weitet sich das  immer noch wunderschöne Netz mit allen seinen Schatten aus.
Nicht einmal ich verstehe es, welches verflucht bleibt. Na und, Mann.. Mir bleiben schöne Bilder.

Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst (…)

Sep 15

.. Nun sitzt er nicht allein, aber für sich. Je weiter er fährt, desto mehr enwickelt sich etwas in ihm eigendynamisch; mal kontrollierbar, dann wieder losgelöst. Die Leute um ihn herum scheinen oberflächlich zu bemerken, was vor sich geht, weshalb er sich erfolglos zusammenzunehmen sucht. Ein gefühlt unentwegter Temperaturanstieg gepaart mit emotional doppelt unterstreichenden Klängen im Ohr bringen ihn mehr und mehr zu einem Desinteresse für sein Umfeld. Der Kaugummi wird stranguliert, als wolle er den Kloß im Hals einfach wegbeißen, so mir nichts dir nichts runterschlucken. Am Nollendorfplatz, wo auf dem Gegengleis ein Mensch ihn durchschauend anblickt und zwinkert, ist die Körperbeherrschung hin. Es ist wie das gute Zureden eines nahe stehenden Menschen, das es noch mehr verschlimmert. Keine Träne, ein Ball, kullert hinab und tönt dumpf beim Aufprall auf das fusselige T-Shirt. Sie hatte recht: er ist traurig.

Apr 7

Brot oder Revolution. Das sei Eure Losung, es ist Eure letzte Hoffnung, das Einzige, worauf Ihr bauen könnt. Was bleibt Euch denn anders übrig? Seid Ihr es nicht, die säen und arbeiten im Schweiße des Angesichts, damit andere, die nichts tun, ernten und schwelgen, während euch der Hunger die Knochen zerfetzt; Ihr baut Paläste, damit der Lotterbube darin seiner schweinischen Geilheit frönt, Ihr macht Schlösser, damit er sein Wuchergeld darin verschließen kann, ihr macht glänzende Bettstellen und weiche Betten, damit Eure Töchter seinem Hurengelüste darauf zum Opfer fallen, alles für ihn, nichts für Euch als der Hunger und der Gerichtsdiener, der Euch aus Euren verfaulten Strohlagern wirft und Euch ins Schuldgefängnis wirft. Proletarier ! Schüttelt Eure schmutzigen, aber ehrlichen Lumpen, damit sie zittern, aus jedem Loch Eurer zerrissenen Kleider blicke ein Dolch, aus jedem ungesättigten Munde zerschmettere sie ein Fluch, die Elenden, die zu schwelgen wagen, während das arme Volk kaum zusammenarbeiten kann, um trockenenes Brot zu kaufen.
Erhebt Euch Ihr Armen überall, haltet zusammen, Einigkeit macht stark- stellt Euch in Reih und Glied, der Stock ist Eure Waffe, die Verzweiflung bringt Mut. Habt Ihr denn nur Zähne, um zu heulen und sie zusammenzuschlagen vor Hunger? - Beißt - beißt damit ins Genick Eurer Feinde! - Aus Euren Lumpen macht Fahnen, ihre zerschmetterten, schlottrigen Glieder sind Eure Siegeszeichen. Euer Feldherr ist der Hunger. Euer Kommandowort, Brot!
Helft Euch selbst, wenn Euch keiner helfen will und wenn die erste Stunde schlägt, zeigt, dass Ihr wert seid, Euch zu retten und dem Hungertode zu entreißen, Proletarier! Brot - oder Revolution, drum seid Männer, bald schlägt die Stunde der Erlösung, denn kein Erbarmen, keine Furcht, vorwärts, das Recht, die Natur, Gott selbst ist mit Euch!

(Aus einem anonymen Flugblatt aus Frankfurt anlässlich der Brotkrawalle 1847)

Feb 29

Nach dem Verlassen der S-Bahn beim Hinablaufen einiger Treppenstufen lauschte ich heute zufällig, flüchtig und  kurz einem Dialog zwischen Mädchen, klein, um die 7 Jahre und Mann, groß, um einiges älter. Sie sagte, sie kenne eine und er entgegnete nur neidisch fragend: „Ehrlich?“ . Er hätte noch nie eine Prinzessin gesehen.
Der Arme.

Jan 15

„aber du stehst immer voll auf den gleichen typ frau“

„immer noch der alte gentler“

„Ich will Schmalz essen, nicht hören.“

Wie recht sie haben. Ich bleibe ich.

Jan 13

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