Als ich klein war, wurde in den Umkleidekabinen, die ja Geschlechtertrennung vorsehen, lautstark gepöbelt, gesungen und gerauft. Was einst kindisch war, wurde später pubertärer Blödsinn, wenn es in der vereinsinternen Kabine darum ging, ein Remis oder ‘nen Sieg zu feiern. Bierduschen, Lobeshymnen und lautstarke Verschmähungen der Gegner, die nur eine Kabine weiter entfernt saßen und Trübsal bliesen, schufen dann immer eine ganz spezielle Atmosphäre von Einigkeit und Hochmut.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass auch in meinem gegenwärtigen Lebensabschnitt dieses kindliche Toben weiterhin besteht. Gerade unter Schauspielschülern wird doch mehr als genügend Schwachfug betrieben. Wenn man sich dann zum gemeinsamen Umziehen in der Umkleide trifft, sind jegliche soziale Forderungen der Gesellschaft schlichtweg irrelevant. Da wird noch immer abartig geflucht, Konkurrenzstreben ausgelebt, gedroschen und getreten, beleidigt und vergessen, was Anstand meint. Jene Umkleidekabinen machen aus Männern keine Freaks, sie sind es bereits. Dieser seltsame Ort scheint etwas ganz Besonderes zu sein, kitzelt er doch Wesenszüge aus einem heraus, die irgendwie ein Leben lang schon in einem schlummern, aber eben nur dann und wann hinausdürfen.
Bis zum nächsten Schlagabtausch, Männer ! Ich bin schon jetzt rauflustig.
in der Umkleide
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